Fanmeile Berlin: Horror in Schwarz-Rot-Geil

5. Juli 2016

Citytrip, Woanders

Die Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin. Noch nie habe ich mir so sehr einen verregneten Regionalliga-Spieltag gewünscht. (Foto: Sören Peters)

Die Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin. Noch nie habe ich mir so sehr einen verregneten Regionalliga-Spieltag gewünscht. (Foto: Sören Peters)

In den vergangenen Wochen war es ja relativ ruhig hier auf der Seite. Das lag zum einen daran, dass ich endlich mal mehrere Wochen am Stück zuhause war und mich ganz auf meine Familie konzentrieren konnte. Zum anderen aber auch daran, dass ich beruflich momentan recht doll eingespannt bin. Überstunden, Abendveranstaltungen, Termine, Besprechungen, Dienstreisen. Und kann ich mich abends doch mal aufraffen und etwas Produktives tun, dreht sich das meist um unser Häuschen, bzw. darum, dass wir bald mehr Platz für unser Familienglück haben. Das muss einfach oberste Priorität haben vor der Pflege dieser Seite oder vor dem Schreiben von neuen Geschichten.

Immerhin: Eine der Dienstreisen ging Ende Juni nach Berlin. Ich habe Euch hier zumindest einmal ein paar Eindrücke festgehalten. Unser Hotel befand sich in unmittelbarer Nähe zum Schloss Bellevue, außerdem hatte man beim Überqueren der Spree einen netten Blick auf den Telespargel am Alexanderplatz.

Gnadenlos deutsch! (Foto: Sören Peters)

Gnadenlos deutsch! (Foto: Sören Peters)

Gleich nach der Ankunft hatte ich Zeit, zum Spiel Deutschland gegen Nordirland mal an der Fanmeile vorbeizuschauen – und ich bereue jede Minute, die ich dort verbracht habe. Wer nichts mit Fußball am Hut hat und die Deutschland-Spiele als einzige große Party versteht, kann hier mit Sicherheit Spaß haben, doch noch nie zuvor habe ich mir an einem sonnigen Juni-Abend so sehr einen verregneten Samstag im November herbeigesehnt, mit einem 0:0 in der Regionalliga und Nieselregen in der unüberdachten Kurve.

Hasenohren, Hüte, Perücken...ohne irgendwelche Fanartikel biste allein auf weiter Flur. (Foto: Sören Peters)

Hasenohren, Hüte, Perücken…ohne irgendwelche Fanartikel biste allein auf weiter Flur. (Foto: Sören Peters)

Es tut mir in der Seele weh, wie ein Fußballspiel so zum Event verkommen kann. Fremdschämen von der ersten Minute bis zum Schlusspfiff. Die Mannschaftsaufstellung wurde anhand von Cola-Dosen präsentiert, dazu der Moderator, der einem mit seinen Versuchen, Stimmung in die Menge zu bringen, schon fast leidtun konnte. „Wer ist der Meinung, dass Deutschland mindestens 3:0 gewinnt!?!? Yeah!!!“ Höhepunkt der Peinlichkeit waren dann drei Fan-Duos, die sich auf der Bühne einen Gesangswettstreit liefern sollten, inklusive der Straße mit vielen Bäumen. Allez La Mannschaft! Höhepunkt in der Halbzeit war dann ein älterer Typ mit Deutschland-Iro, der seiner offensichtlich angeekelten Azubine(?) am Hintern rumzufummeln. Passte auch irgendwie zur Mallorca-Musik von Willi Herren. Und auch Peer Kusmagl, der aus dem Dschungel kam, durfte noch für einen Radiosender auf die Bühne steigen.

Nachdem die Nordiren sich nicht wehrlos die Bude haben vollhauen lassen, wie es sich der Moderator eingangs gewünscht hatte, war der Spuk beendet und ich machte mich kurz vor Abpfiff auf den Weg ins Hotel…nach unserer Veranstaltung am nächsten Tag sag ich in einer kleinen Trattoria gegenüber, wie Irland den Italienern einen einschenkte. Für einen Moment war ich mit der sonst langweiligen Euro wieder im Reinen.

Dennoch war ich froh, am Ende wieder bei meinen beiden Frauen in Kölle zu sein.

Hier noch ein paar Eindrücke

Schloss Bellevue: Hello, Mr. President! (Foto: Sören Peters)

Schloss Bellevue: Hello, Mr. President! (Foto: Sören Peters)

Blick über die Spree auf den Telespargel. (Foto: Sören Peters)

Blick über die Spree auf den Telespargel. (Foto: Sören Peters)

That's urban! Bahngleise direkt vorm Fenster. (Foto: Sören Peters)

That’s urban! Bahngleise direkt vorm Fenster. (Foto: Sören Peters)

Start von Schönefeld über den grünen Südosten der Hauptstadt. (Foto: Sören Peters)

Start von Schönefeld über den grünen Südosten der Hauptstadt. (Foto: Sören Peters)

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

2 Kommentare - “Fanmeile Berlin: Horror in Schwarz-Rot-Geil”

  1. Markus Sagt:

    „Es tut mir in der Seele weh, wie ein Fußballspiel so zum Event verkommen kann.“
    Du hast ziemlich recht. Seit 2006 ist es Turnier für Turnier immer schlimmer geworden.

    Antwort

    • Sören Peters Sagt:

      Zum Glück ist der Spuk bald vorbei ;-) Dann können sich die, die jetzt die Public Viewings belagern wieder aufregen, warum am Samstag der Zug so voll ist.

      Antwort

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