Lost in Amritsar

23. März 2016

Indien

Frauen in bunten Saris sitzen auf der Straße in Amritsar. Im Rücken: Der Goldene Tempel. Vor ihnen: Die aufgerissenen Straßen der Stadt. (Foto: Sören Peters)

Frauen in bunten Saris sitzen auf der Straße in Amritsar. Im Rücken: Der Goldene Tempel. Vor ihnen: Die aufgerissenen Straßen der Stadt. (Foto: Sören Peters)

Nach der anfänglichen Reizüberflutung in Delhi und dem allmählichen Klarkommen war ich endlich bereit für Indien. Im Gegensatz zu den meisten Kurzbesuchern hatte ich mich für Amritsar im Punjab entschieden und gegen Jaipur, das definitiv mehr Zeit verdient hätte als einen erweiterten Tagestrip. Auf dem Plan: Der Goldene Tempel, das zentrale Heiligtum des Sikhismus, und die Border Ceremony in Wagah an der pakistanischen Grenze.

Jet Airways hat einen guten Ruf und ist nicht umsonst etihad-Partner. Neben zahlreichen innerindischen Strecken fliegt die Airline auch nach London, Brüssel und Amsterdam. (Foto: Sören Peters)

Jet Airways hat einen guten Ruf und ist nicht umsonst etihad-Partner. Neben zahlreichen innerindischen Strecken fliegt die Airline auch nach London, Brüssel und Amsterdam. (Foto: Sören Peters)

Morgens also mit einer der ersten Metros raus zum Flughafen und gegen 9 Uhr ging es mit Jet Airways auf den kurzen Hopser nach Amritsar. Trotz der nur 45-minütiges Flugzeit gab es warmes Frühstück, Kaffee/Tee und Wasser. Besonders wohltuend auch deshalb, weil mich kurz vorm Boarding doch noch der „Delhi Belly“ erwischt hatte. Um den kleinen thematischen Abstecher abzurunden: Das war auch der einzige Zwischenfall dieser Art.

Taxi ab Amritsar Airport

Ansonsten war die Ankunft in Amritsar recht entspannt. Der Flughafen ist nicht einmal halb so groß wie der in Dortmund, dennoch kam parallel mit uns ein 787-Dreamliner aus Birmingham (via Delhi) an. Spuren des früheren British India… Das Gepäck kam dennoch recht zügig und am Prepaid-Schalter buchte ich mir für 500 Rs. (ca. 7 Euro) ein Taxi in die Stadt. Zwar gibt es angeblich auch einen kostenlosen Shuttle der Gemeinde, die auch den Golden Temple und seine Pilgerunterkünfte bewirtschaftet, allerdings gab es nirgendwo ein Hinweisschild, so dass ich mich für den Weg des geringsten Widerstands entschied – zumindest in der Theorie.

Durch die alten Stadttore gelangt man in das wuselige Zentrum Amritsars. (Foto: Sören Peters)

Durch die alten Stadttore gelangt man in das wuselige Zentrum Amritsars. (Foto: Sören Peters)

Als wir nach knapp einer halben Stunde, drei Fast-Kollisionen und einem Stoßgebet die Stadt erreichten, ließ mich der Fahrer vor einer riesigen Baustelle raus. Was früher mal eine Straße war, glich nun einem Graben, der einen Palast vor mongolischen Reiterhorden schützen könnte. Und damit begann die bitterste Stunde meines Indien-Aufenthaltes: Die Suche nach meinem Hotel, eigentlich gut gelegen in einer Seitenstraße des Goldenen Tempels.

Dieses Foto entstand im Februar 2016. Die Gegend rund um den Goldenen Tempel wird umgegraben. (Foto: Sören Peters)

Dieses Foto entstand im Februar 2016. Die Gegend rund um den Goldenen Tempel wird umgegraben. Auch die Fassaden erfahren eine Frischzellenkur. (Foto: Sören Peters)

Die ganze Stadt ist eine Baustelle

Entlang der Baustelle konnte ich mich noch zum Eingang des Harmandir Sahib, so sein offizieller Name, orientieren. Doch durch die gesperrten und umgegrabenen Straßen rundherum war mein Ausdruck von Google Maps mehr oder weniger nutzlos. Wohlgemerkt: Ich habe bis zur Anschaffung unserer Familienkutsche nie ein Navi besessen und kann mich dank Bundeswehr mit Karte und Kompass im finstersten Wald orientieren, doch Amritsar hat mich geschafft. Ich lief also rund eine Stunde durch die Gassen, die in etwa der Lage auf dem Ausdruck entsprachen, und wehrte erfolgreich alle Werbeversuche der Rikschafahrer ab, um am Ende doch wieder in der Baustelle zu stehen. Durchfragen brachte wenig, entweder kamen die Leute selbst von außerhalb oder hatten schlichtweg keinen blassen Schimmer.

Kleine Seitengasse vom Goldenen Tempel. Mit der Lupe findet man das rote Coca-Cola-Schild, das mein Hotel (Darbar View) kennzeichnet. Einfache Zimmer mit eigenem Bad, 18 Euro/Nacht. War zufrieden. (Foto: Sören Peters)

Mit der Lupe findet man oben das rote Coca-Cola-Schild, das mein Hotel (Darbar View) kennzeichnet. Einfache Zimmer mit eigenem Bad, 18 Euro/Nacht. War zufrieden. (Foto: Sören Peters)

Müde, genervt, verschwitzt

Langsam stand auch die Sonne steil am Himmel. 13 Kilo auf dem Rücken, fünf auf der Schulter, müde, genervt, verschwitzt. Doch irgendwie wendete sich ab dem Moment alles zum Guten. An meinem Ausgangspunkt traf ich durch Zufall ein spanisches Pärchen, das vor dem gleichen Problem stand und dessen Hotel in der Straße von meinem lag. Gemeinsam fragten wir uns in Läden und anderen Guesthouses durch und fanden letzten Endes heraus, dass wir schlichtweg an der falschen Seite des Tempels gesucht hatten.

Straßenszene aus Amritsar am frühen Abend. Das Bild entstand nach dem Besuch der Wagah Border. (Foto: Sören Peters)

Straßenszene aus Amritsar am frühen Abend. Das Bild entstand nach dem Besuch der Wagah Border. (Foto: Sören Peters)

Rund eineinhalb Stunden nachdem mich der Taxifahrer abgesetzt hatte, checkte ich ein. Die anschließende Dusche dürfte es in die Top 20 meiner Hygiene-Hitliste schaffen. Der Besuch im Goldenen Tempel sollte für die Strapazen entschädigen…

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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