Reiseplanung Delhi: Gedanken und Tipps

10. März 2016

Indien

Blick von der Jama Masjid auf Old Delhi. (Foto: Sören Peters)

Blick von der Jama Masjid auf Old Delhi. (Foto: Sören Peters)

Spätestens seit „Slumdog Millionaire“ hat jeder sein eigenes Indien-Bild im Kopf, sei es nun geprägt durch Wirtschaftsboom oder Armut, Bollywood oder Umweltverschmutzung. Das Problem: Filme oder auch Nachrichten zeigen immer nur einen Ausschnitt, fokussieren auf einen Aspekt, können aber nie das große Ganze einfangen. Spätestens seit einem Besuch in Little India in Singapur und regelmäßigen Besuchen in London, wo die Spuren des alten British India in der Bevölkerung noch deutlich erkennbar sind, reifte langsam aber sicher der Wunsch, mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. Vermutlich aus journalistischer Neugier. Berufskrankheit. Da sind höhere Mächte am Werk.

Warum also Delhi?

Genauso gut hätte ich nach Mumbai fliegen können, immerhin der Motor der aufstrebenden Wirtschaft. Oder nach Kolkata, der ehemalige Sitz der Britischen Ostindien-Kompanie. Es gab dann aber doch einige Aspekte, die dafür sprachen, meine Reise in Delhi beginnen und enden zu lassen.
1. Die Anbindung. Sowohl Lufthansa als auch Air India fliegen ab Frankfurt non-stop in die Hauptstadt. Und: Der Flughafen dient sowohl Air India als auch den Low-Cost-Carriern als Drehkreuz, was die Weiterreise begünstigt, nicht nur finanziell.
2. Die Lage. Delhi ist nicht weit entfernt von Agra – und beim ersten Besuch in dem riesigen Land wollte ich auf jeden Fall das Taj Mahal sehen. Nicht umsonst beginnen so viele Besucher ihre Indien-Erfahrung im „Goldenen Dreieck“, dessen Eckpunkte von Dehli, Agra und Jaipur markiert werden.
3. Es gibt weitaus mehr zu sehen als in Mumbai: Old Delhi, das Regierungsviertel, den Qutb-Minar-Komplex, Mughal-Architektur, usw.

Britische Spuren an der New Delhi Station. (Foto: Sören Peters)

Britische Spuren an der New Delhi Station. (Foto: Sören Peters)

Nahverkehr in Delhi

Delhi verfügt über ein recht gut ausgebautes Metro-Netz, so dass man nicht andauernd mit dem Taxi fahren muss. Es verhagelt mir regelmäßig die Laune, wenn sich Fahrer weigern, das Taxameter einzuschalten oder man als Ausländer permanent wie eine Melkkuh angesehen wird. Tipp: Um sich nicht vor jeder Fahrt für einen Token anstellen zu müssen, lohnt sich der Kauf einer Smartcard. Diese ist aufgeladen mit 150 Rupien (knapp mehr als zwei Euro). Die Karte funktioniert nach dem Touch-In/Touch-Out-Prinzip wie die Oystercard in London. Der Airport-Express kostet 60 Rupien (one-way bis New Delhi Station), für innerstädtische Strecken fallen Cent-Beträge an. Ferner gibt es ein Busnetz, das sich mir in der Kürze der Zeit jedoch nicht erschlossen hat.

By the way: Der Airport Express verkehrt zwischen 6 und 23 Uhr. Wer ab Frankfurt mit Air India anreist, hat Glück: Die Maschine (787-Dreamliner) landet planmäßig um 9.35 Uhr. Der A380 der Lufthansa (aus Frankfurt) kommt gegen halb zwei in der Nacht an. Und da wohl nur die Hardcore-Sparfüchse bis zur ersten Metro warten, kommt hier der nächste Punkt ins Spiel.

Tuk-Tuks am kolonialen Connaught PLace. (Foto: Sören Peters)

Tuk-Tuks am kolonialen Connaught PLace. (Foto: Sören Peters)

Was, wenn doch mal ein Taxi sein muss?

Prepaid-Schalter gibt es an neuralgischen Punkten wie der New Delhi Station, am Flughafen und am Connaught Place. Hier bezahlt man direkt bei einem Beamten und der Fahrer bekommt anstelle von Bargeld den Voucher ausgehändigt. So entfällt das elendige Verhandeln, bei dem man als Westler am Ende ohnehin zu viel bezahlt (ich weiß, wir reden hier über Beträge im Cent-Bereich, aber nicht zu Unrecht sind abzockende Taxifahrer der indischen Tourismusbehörde ein Dorn im Auge). Preisbeispiel: Eine Fahrt vom Connaught Place zum Rajghat (Gedenkstätte, wo Mahatma Gandhi nach seiner Ermordung eingeäschert wurde) kostet 50 Rupien, also weniger als einen Euro. Für ähnliche Strecken wollten Fahrer in freier Verhandlung 100 Rupien abstauben. Meistens einigt man sich hier dann bei ca. 70 Rs., womit dann beide Seiten gut leben können.

Main Bazar Road in Paharganj. (Foto: Sören Peters)

Main Bazar Road in Paharganj. (Foto: Sören Peters)

Wo unterkommen?

Taktisch sinnvoll ist die Wahl eines Hotels an der Main Bazar Road in Paharganj. Hier kann man zwar nicht den großen Luxus erwarten, allerdings sind die meisten Häuser sauber und ordentlich. Auf der einen Seite der Straße befindet sich die New Delhi Station, auf der anderen die Metrostation RK Ashram Marg, beide sind fußläufig zu erreichen. In einem vorherigen Post habe die die „MBR“ mit der Khao San Indiens vergleichen – und allzu schlecht finde ich diesen Vergleich nicht. Hier beginnen und enden Reisen und Abenteuer, hier tummeln sich Geschäfte und Restaurants. Und nicht zuletzt trifft man abends in den Dach-Cafés die verrücktesten Traveller aus aller Welt. Nur: So feucht-fröhlich wie in Bangkok geht es hier nicht zu. Die einfachen Restaurants besitzen keine Alkohol-Lizenz, zudem sind die Traveller hier weitaus älter und „gesetteter“ als in Südostasien.

Das Madan Café an der Main Bazar Road, mein Lieblingslokal in Delhi. (Foto: Sören Peters)

Das Madan Café an der Main Bazar Road, mein Lieblingslokal in Delhi. (Foto: Sören Peters)

Essen und Trinken

Wer in Paharganj unterkommt, ist eigentlich schon gut versorgt. Die meisten Hotels und Guesthouses verfügen über Dachterrassen, die gelichzeitig als Café und Restaurant dienen. Einfache Restaurants, teils mit offener Küche, und Straßenstände ergänzen das Angebot. Leckere Thalis (zusammen mit Wasser, Lassi und Masala Chai nach dem Essen) kosten kaum mehr als zwei Euro. Auch sonst lässt Delhi keine Wünsche offen: Arabische Gerichte in Old Delhi, alle paar Meter ein Straßenstand mit frischem Obst und Säften oder Bars mit westlichem Essen am Connaught Place. Und für den, der’s braucht: Hier gibt es auch das goldene M und Geflügel nach Kentucky-Art.

So far. Ein früherer Blogpost befasst sich mit der Reizüberflutung während der ersten Tage in Delhi.

Weitere Eindrücke findet Ihr in meinem flickr-Stream. Viel Spaß beim Durchklicken.

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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