Ankommen in Delhi: Reizüberflutung

7. März 2016

Indien

Gewöhnungsbedürftig: Verkehr in Old Delhi, hier: Chandni Chowk. (Foto: Sören Peters)

Gewöhnungsbedürftig: Verkehr in Old Delhi, hier: Chandni Chowk. (Foto: Sören Peters)

Eigentlich habe ich keine Probleme damit, mich in einer neuen Umgebung schnell zurechtzufinden: Sei es ein neuer Job, eine neue Technik oder eben eine fremde Stadt. Und ich fühlte mich auch diesmal gut vorbereitet auf das Abenteuer Indien: Hatte mir Videos angeschaut und Karten studiert, Horrorstorys und Liebeserklärungen gelesen, mich in auf so gut wie jede Eventualität eingestellt, die mich erwarten könnte. Doch nichts hat mitgehalten mit der Reizüberflutung, die ich während meiner ersten Tage in Delhi erfuhr…

Hören: „Hello, Sir! Taxi? Room? …weed?“
Schon meine ersten Schritte in der Megacity waren eine Erfahrung. Verkehr von allen Seiten, dazu wildes Gehupe, Husten, (Betel-)spucker; Heerscharen, die vor der New Delhi Station lungerten und alle paar Meter Rikschafahrer und Schlepper, die mir – natürlich ganz selbstlos – ihre Hilfe andienerten. Eine Wohltat, als ich den Greenhorn-Parcours gemeistert hatte und in meinem Hotel an der Main Bazar Road unter der Dusche stand.

Indien ist vor allem eins: bunt! (Foto: Sören Peters)

Indien ist vor allem eins: bunt! (Foto: Sören Peters)

Sehen: Farben, Farben, Faben!
Delhi ist eine reine Farbexplosion: Frauen in leuchtenden Saris, gelb-grüne Tuk-Tuks, bunt gestrichene Fassaden. Dazu architektonische und kulturelle Sehenswürdigkeiten wie die Jama Masjid, Humayuns Tomb oder das Gewusel rund um Chandi Chowk. Delhi ist ein Fest für die Augen – wenn der Feinstaub nicht so brennen würde.

Riechen: Alles ist menschlich
Die Stadt – da müssen wir uns nichts vormachen – stinkt. Nicht immer und nicht überall, aber hier und da kommt man nicht drumherum, die Nase zu rümpfen. Die Metropolregion hat 16 Millionen Einwohner, und die haben allesamt menschliche Bedürfnisse. Da ändern auch die „Luxury Toilets“ nichts, die überall im Stadtgebiet aufgestellt sind. Regelmäßig sieht man Männer und Frauen, die sich in freier Wildbahn erleichtern. Was das angeht, härtet Delhi einen ab!

Schmecken: Delhicious!
Definitiv eine der schönsten Seiten Delhis: Bereits zum Frühstück gibt es dünne Paratha-Fladen, Pav Bhaji (Gemüsemix mit Brot zum Tunken) und seeehr starken Kaffee. Das Ganze hält auf jeden Fall bis zum Nachmittag satt, so dass man die Zeit bis zum Abendessen mit Fruchtsäften und frischem Obst überbrücken kann. Abends bekommt man in den Cafés für 50 bis 100 Rupien wundervoll gewürzte Thalis, rechnet man noch einen Mango-Lassi und einen Masala Chai (Gewürztee) dazu, ist man mit rund zwei Euro lecker satt (aktuell sind 70 Rs. in etwa ein Euro). Auch vom „Delhi Belly“ bin ich glücklicherweise verschont geblieben.

Fühlen: Ach jaaa, ach nööö
Hier bin ich mir bis heute nicht im Klaren darüber, welche Haltung ich zu Delhi einnehmen soll. Auf der einen Seite stetiges Gedränge, Angequatsche von Schleppern und Smog in den Augen und Lungen – auf der anderen Seite kulturelle und architektonische Schätze soweit das Auge reicht. Ich denke, diese Gesamtheit der Dinge ist es, die eine besondere Anziehungskraft ausübt. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, so wie alles im spirituellen Indien.

Tuk-Tuks vor dem Roten Fort. Nicht nur der Verkehr ist hier wuselig, auch die Schlepper sind besonders aktiv. (Foto: Sören Peters)

Tuk-Tuks vor dem Roten Fort. Nicht nur der Verkehr ist hier wuselig, auch die Schlepper sind besonders aktiv. (Foto: Sören Peters)

Der 6. Sinn: Lass Dich nicht verarschen
Ein Glück, dass Delhi über ein gut funktionierendes Metro-Netz verfügt, das weite Teile der Stadt abdeckt. So entfällt das ewige Verhandeln mit Taxi, bzw. Tuk-Tuk-Fahrern (und ja: alle, aber auch wirklich alle, versuchen, Dich zu bescheißen wo sie nur können oder Dich in eine Agentur zu schleppen – hier gibt es einen Bericht dazu)

Auch wenn ich nicht sofort angekommen bin – nach drei Tagen hatte ich mich eingegrooved und auch das Angequatsche durch die Schlepper verstummte bald. Die Jungs erkennen, wenn jemand grün hinter den Ohren ist.

Sören Peters

Mit einem Klick auf das Bild gelangt Ihr zum flickr-Album Delhi!

Delhi

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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