Das erste Mal: Unterwegs mit Ryanair

1. September 2015

Citytrip, Portugal, Woanders

Ryanair-Passagiere beim Boarding in Porto. (Foto: Sören Peters)

Ryanair-Passagiere beim Boarding in Porto. (Foto: Sören Peters)

Bisher habe ich Ryanair immer kritisch beäugt. Lieber nen Fuffi mehr ausgeben, dafür aber Lufthansa fliegen. Ich weiß, ich bin da mega-pingelig, aber wenn ich mich in einer Metallröhre mit 800 km/h durch die Luft schießen lasse, dann ist das wohl auch angebracht. Am liebsten würde ich die Maschine vor dem Start selbst durchchecken, obwohl ich nicht den blassesten Schimmer davon habe, um danach dem Piloten mitzuteilen, dass sich das Seitenleitwerk etwas komisch anhört. Und was nichts kostet, kann ohnehin nix. Wahrscheinlich habe ich auch deshalb immer einen Bogen um Ryanair gemacht, den Inbegriff des Billigfliegens. Im Nachhinein betrachtet war das natürlich totaler Blödsinn, wie sich bei unserem Kurztrip nach Portugal herausstellte.

Denn zum einen sollte ich den EU-Behörden so viel Vertrauen entgegenbringen, dass sie schwarze Schafe unter den Airlines flugs aus dem Verkehr ziehen, zum anderen habe ich mich auch ohne größere Bauchschmerzen in Maschinen von easyJet oder AirAsia gesetzt. Und nach dem ersten Mal muss ich sagen: Ich bin von Ryanair positiv überrascht. Die Horrorstorys, die vor einigen Jahren noch durch’s Netz kursierten, bestätigten sich in keiner Weise. Bzw. weiß man ja auch, auf was man sich einlässt.

Check-In: Völlig problemlos. Online eingecheckt, Gepäck aufgegeben. Nichts anderes als sonst auch. Bei meiner Frau wurde nicht einmal beanstandet, dass sie zusätzlich zu ihrem protugiesischen Namen noch meinen dazu bekommen hat. Ebenso beim Rückflug von Porto. Mit Baby durften wir sogar an der Schlange vorbei und sofort unser Gepäck loswerden. Runde Sache.

Boarding: Es gibt zwei Schlangen. Priority (wer zum Teufel zahlt einen Aufpreis, um länger im Flieger sitzen zu müssen?!?) und eine „normale“. Ich habe mich immer gefragt, warum die Menschen eine halbe Stunde vor dem Aufruf am Gate Schlange stehen. Während Anthropologen noch immer mit den Achseln zucken, macht das bei Ryanair aber durchaus Sinn: Nach einer Zeit passt das Handgepäck einfach nicht mehr in die Staufächer und wird dann kostenlos im Frachtraum mitgenommen. Wer zuletzt kommt, erhält ein gelbes Bändchen um den Trolley und gibt das eigentliche Handgepäck beim Einsteigen ab.

Flug an sich: Auch nicht anders als bei anderen Airlines auch. Außer vielleicht, dass der Service gefühlt 20 Mal durch den Flieger kam, um Getränke und Snacks zu verkaufen. Die Crews sind bunt zusammengewürfelt, Englisch ist Verkehrssprache. Die Rückenlehnen ließen sich nicht nach hinten stellen, was ich aber als Vorteil sehe. So entsteht kein Streit mit dem Vordermann. Und da die 737 ohnehin nicht auf der Langstrecke eingesetzt werden kann, ist das vollkommen okay.

Nette Geste: Bei der Landung in Weeze schüttete es aus Kübeln. Der Kapitän entschuldigte sich für die etwas unsanfte Landung und dafür, dass er uns kein besseres Wetter anbieten konnte. Der am Flieger aufgegebene Maxi Cosi kam in Plastik verpackt – und somit trocken – im Terminal an.

Also, Ryanair, wir haben uns bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen. Marrakesch fände ich sehr reizvoll. Vielleicht liest das ja jemand aus Eurer PR-Abteilung und hat Lust, für Mitte November einen Blogger einzuladen ;-)

Die ehemalige Airbase Weeze, heute von der irischen Billigairline Ryanair genutzt. (Foto: Sören Peters)

Die ehemalige Airbase Weeze, heute von der irischen Billigairline Ryanair genutzt. (Foto: Sören Peters)

Weeze: So läuft das
Der erste Ryanair-Flug war für uns auch die Weeze-Premiere. Dass die ehemalige britische Airbase nicht nur ansatzweise in der Nähe der NRW-Landeshauptstadt liegt, sollte eigentlich jedem klar sein. Von der A57 kommend tuckert man noch ein bisschen über die Landstraße, bis man dann zu einer Zufahrtsschranke an der ehemaligen Kasernenwache kommt. Hier sind erstmal zwei Euro fällig, um das Gelände befahren zu können (auch für Abholer). Beim Parken gibt es einmal die Deluxe-Variante direkt vorm Terminal (70 Euro/Woche) oder einen fünfminütigen Fußmarsch entfernt (45 Euro/Woche). Wir haben das dann so gelöst, dass ich meine Frau samt Kinderwagen und Gepäck am Terminal abgesetzt habe und dann auf den Parkplatz gefahren bin.

Wenn also die Flugzeiten und der Preis passen, ist der Flughafen Weeze, bzw. Ryanair, eine gute Alternative zu Düsseldorf oder Köln/Bonn. Leider ist die ehemalige Airbase jedoch nur schwer mit den Öffentlichen zu erreichen, so dass man zum Flugpreis immer noch die Parkgebühren und – das gilt auch für Abholer – den Sprit hinzukalkulieren muss.

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

2 Kommentare - “Das erste Mal: Unterwegs mit Ryanair”

  1. germanicus84 Sagt:

    Danke für deinen Bericht. Fliege nächste Woche ebenfalls das erste Mal mit Ryanair, jedoch auf der Route CGN-CPH-CGN. Werde über den Flug ebenfalls einen Beitrag verfassen.

    Antwort

  2. franzi Sagt:

    Ich kann über Ryanair eigentlich auch nichts schlechtes sagen. Klar, der Service ist mies, an Board findet eine penetrante Verkaufsshow statt und mit dem Gepäck sind sie superstreng. Aber ganz ehrlich, für das Geld mehr zu erwarten, ist einfach völlig realitätsfern. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist super :-)
    Liebe Grüße
    Franzi

    Antwort

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