Guten Morgen, liebe Welt!

19. März 2015

Asien, Vietnam

Lichtstimmung über den Dächern von Saigon. (Foto: russavia, Wikimedia Commons, CC-BY-2.0)

Lichtstimmung über den Dächern von Saigon. (Foto: russavia, Wikimedia Commons, CC-BY-2.0)

Die ersten Sonnenstrahlen vertreiben das Dunkel der Nacht. Leuchtreklamen und Straßenlaternen haben für die nächsten Stunden ausgesorgt und allmählich beginnt der Puls der Stadt zu schlagen. Ich liebe es, früh aufzustehen und zu beobachten, wie die Menschen an fremden Orten in ihren Alltag starten. In einer losen Serie möchte ich gemeinsam mit Euch aufwachen, einen Kaffee trinken und in einen neuen Tag starten. Und wo könnte eine solche Serie besser starten als in Saigon?

Die Idee, sich als Land der Frühaufsteher zu bewerben, muss der Landesregierung von Sachsen-Anhalt bei einer Dienstreise nach Vietnam gekommen sein. Mit dem ersten Grau des Tages knattern die ersten Motos über die Straßen, beschallen Häuserschluchten, mischen sich in die beginnende Geschäftigkeit. Am Ben-Tanh-Markt kehren Verkäuferinnen Speisereste in die großen Gullischächte, was mich unweigerlich von Riesenratten fantasieren lässt, die nun mit Serviette um den Hals, Messer und Gabel in der Kanalisation sitzen. Die Frauen aber beseitigen die letzten Spuren des Nachtmarktes vom Vorabend. In der Luft riecht ein süß-säuerlicher, beißender Geruch. Obwohl die Sonne nicht einmal richtig aufgegangen ist, steht in den Straßen eine feuchte Wärme. Nur ein knapper Windzug verschafft kurzzeitige Abkühlung. Ich liebe dieses Klima.

Ort des Geschehens: Rechts der Ben-Tanh-Markt, in der Bildmitte die Parkanlage.* (Foto: Sören Peters)

Ort des Geschehens: Rechts der Ben-Tanh-Markt, in der Bildmitte die Parkanlage.* (Foto: Sören Peters)

Um diese Zeit kann man die Straßen noch ohne größere Überwindung überqueren. Wir spazieren durch die kleine Parkanlage, die an die Pham Ngu Lao grenzt, die Touristen- und Backpackermeile der Stadt. Rund zehn Paare spielen Federball, weitere 30 Menschen aller Altersklassen üben sich in Qi Gong, vereinzelt sind Jogger unterwegs. Die Rucksäcke an unseren Körpern lassen uns schon bei gemäßigtem Tempo schwitzen. Aus einem Café strömt der Duft nach dem starken Kaffee, wie er in Südostasien weit verbreitet ist, Marke Herztod. Doch in der Hitze kann ich weiß Gott nicht auch noch etwas Warmes trinken. Stattdessen frage ich mich, wann die Leute aufgestanden sind, wie ihr Alltag aussieht – und ob die morgendliche Betriebsamkeit der Grund ist, warum einige Vietnamesen tagsüber an jeder noch so lebhaften Straßenecke und in den unmöglichsten Positionen schlafen können.

Es ist inzwischen hell. Aus einer Bäckerei duftet es nach frischem Baguette, die Straßenküchen haben längst geöffnet, aus den Kesseln steigt Dampf auf, der die Luft – zumindest gefühlt –  noch einmal mehr befeuchtet, die typischen kleinen Plastikhocker stehen auf dem Gehweg. Ein paar Meter weiter erreichen wir die De-Tham-Street, um nach Mui Ne weiterzureisen. Spätestens jetzt kenne ich die wahre Bedeutung, die hinter „Good morning, Vietnam“ steckt.

Fotostrecke Saigon // Mehr über Asien

Sören Peters

* Ursprünglich hatte ich zur Dokumentation das Foto eines schlafenden Mannes auf einem Moto mitten im Trubel der Stadt vorgesehen, habe mich aus Gründes des Persönlichkeitsrechts jedoch dagegen entschieden und kann Euch als zweites Bild leider nur diese „Krücke“ anbieten.

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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