Groundhopping in London, Teil 2: Millwall FC

11. März 2015

London

Zugang zum Stadion, von der Station South Bermondsey kommend. (Foto: Sören Peters)

Zugang zum Stadion, von der Station South Bermondsey kommend. (Foto: Sören Peters)

Nach dem Besuch beim Fulham FC habe ich die Suche nach der englischen Fußball-Seele am Samstagnachmittag in Millwall fortgesetzt. In den vergangenen Jahren hat man ja immer mal wieder etwas von den Ausschreitungen gehört, in die Millwall-Anhänger verwickelt waren, etwa beim Gastspiel in West Ham. Allerdings trugen auch Filme wie „The Football Factory“ (sehenswert) und der etwas billige Abklatsch „Hooligans“ dazu bei, dem gemeinen Millwall-Fan einen gewissen Stempel auf die Stirn zu drücken. Höchste Zeit also, sich selbst ein Bild zu verschaffen.

Da ich bis zur Mittagszeit noch in Greenwich zu tun hatte, konnte ich bequem mit dem Linienbus anreisen. Ansonsten bieten sich die Stationen Surrey Quays (Overground) oder South Bermondsey (National Rail) an, The Den zu erreichen. Das Publikum im Stadionumfeld ist dabei das proletarischste, was ich in England bislang gesehen habe. Erklärung dafür könnte die räumliche Nähe zu den ehemaligen, stillgelegten Hafenanlagen sein. Immerhin wurde der Klub von schottischen Hafenarbeitern gegründet und auch der Name leitet sich von den Millwall-Docks auf der Isle of Dogs am gegenüberliegenden Ufer der Themse ab. Zudem rangiert das nahe Borough Lewisham in den Armutsstatistiken auf den hinteren Rängen. Die eigentliche Heimat des Klubs ist jedoch Bermondsey, das zum Verwaltungsbezirk Southwark gehört.

Das Stadion ist umgeben von Bahnlinien, Tunneln und Industrie. (Foto: Sören Peters)

Das Stadion ist umgeben von Bahnlinien, Tunneln und Industrie. (Foto: Sören Peters)

Hochhäuser, einige davon schlecht in Schuss, und Industrie prägen das Stadionumfeld. Für mich ein morbider Charme, hatte ein bisschen was von der alten Hafenstraße in Essen. Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Und besser als bei Arsenal ist das allemal, was aber auch nicht schwer fällt. Erstaunlich aber, dass sich im Stadion trotz des hohen Anteils schwarzer Bevölkerung in Lewisham (mehr als 20 Prozent) vorwiegend Weiße im Stadion aufhielten.

Außenansicht vom New Den. (Foto: Sören Peters)

Außenansicht vom New Den. (Foto: Sören Peters)

Und um mal mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass bei Millwall nur potenzielle Gewalttäter aufschlagen: Das ist kompletter Blödsinn. Genauso sieht man Familienväter mit ihren Söhnen, Jungs, die in der Halbzeitpause unter der Tribüne mit einer leeren Plastikflasche pöhlen, und Rentner, die schon bessere Zeiten erlebt haben als Abstiegskampf in der zweiten Liga (Championship). Dennoch eine relativ hohe Dichte an Stone-Island-Pullis und ordentliches Gepöbel auf den Rängen, wo jedes zweite Wort mit „f“ beginnt und einige ganz offenbar die Einwechslung von Kant forderten, oder habe ich mich da verhört?

Das Stadion fasst etwas mehr als 20.000 Zuschauer, war aber trotzdem nicht voll. (Foto: Sören Peters)

Das Stadion fasst etwas mehr als 20.000 Zuschauer, war aber trotzdem nicht voll. (Foto: Sören Peters)

Zu Gast war mit Norwich City eine Mannschaft aus der oberen Region der Tabelle und obwohl Millwall eine Weile mit den Gästen mithalten konnte, nutzen die „Kanarienvögel“ ihre Chancen eiskalt aus. Einen positiven Eindruck hinterließ (mal wieder) der Anhang aus Norwich. Geschätzt 3.000 Fans waren angereist und dominierten die Stimmung im Stadion. Schon nach einem Gastspiel bei den Queens Park Rangers vor ein paar Jahren hatte ich die Anhänger positiv in Erinnerung behalten. Zur Atmosphäre im Gästeblock trug aber auch der Spielverlauf bei. 4:1 stand es am Ende für die Gäste aus dem County Norfolk.

Die Abreise nach dem Spiel verlief ähnlich unproblematisch wie am Vortag bei Fulham. In rund zehn Minuten gelangt man zur Overground-Station Surrey Quays, von dort ist es eine Station bis Canada Water und somit zur Jubilee Line, die weite Teile Central Londons abdeckt.

Quick Facts
Stadion: The New Den, eröffnet 1993 (Umzug), 20.146 Plätze
Hinkommen: Overground bis Surrey Quays oder National Rail ab London Bridge bis South Bermondsey
Ticketinfos, Bestellung und Spielplan: Offizielle Homepage des Millwall FC

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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