Groundhopping in London, Teil 1: Fulham FC

10. März 2015

London

Das ist England: Hinter den Reihenhäusern ragen die Flutlichtmasten in dem Himmel. (Foto: Sören Peters)

Das ist England: Hinter den Reihenhäusern ragen die Flutlichtmasten in dem Himmel. (Foto: Sören Peters)

Fußball ist der wunderbarste Sport der Welt und das Mutterland dieses Spiels ist England. Doch in den vergangenen 20 Jahren hat der englische Fußball seine Seele verloren, bzw. verkauft. Nach Katastrophen wie in Hillsborough oder Heysel wurden erst die Stehplätze abgeschafft, danach verkauften sich die Klubs an Investoren. Kein Wunder also, dass englische Fans neidisch nach Deutschland blicken, wo man noch mit einem Bier in der Hand auf der Tribüne stehen kann und eine Eintrittskarte für Vater und Sohn nicht das halbe Monatsgehalt verschlingt. Oder sie gründeten gleich eigene Klubs wie den Wimblebon AFC oder FC United of Manchester. Dennoch bin ich überzeugt, dass es irgendwo auf der Insel auch in den oberen Ligen noch das gallische Dorf gibt, das Widerstand leistet. Die Suche läuft.

Zwei Spiele in 20 Stunden standen – dank glücklicher Fügungen im Dienstplan – am vergangenen Wochenende auf dem Programm, jeweils in der zweiten Liga (Championship). Die Klubs, bzw. die Stadtteile, wo sie beheimatet sind, hätten dabei unterschiedlicher kaum sein können. Am Freitagabend ging es los mit Fulham gegen Bournemouth im recht ländlichen und gut situierten Westen Londons. Am Samstag stand dann Millwall gegen Norwich auf dem Plan, im relativ abgerockten Süden der Stadt.

Das Stadion liegt direkt an der Themse. Auch der Gastrobereich der "hinteren" Tribüne (Riverside Stand) liegt direkt am Wasser. (Foto: Sören Peters)

Das Stadion liegt direkt an der Themse. Auch der Gastrobereich der „hinteren“ Tribüne (Riverside Stand) liegt direkt am Wasser. (Foto: Sören Peters)

Der Start ins Wochenende hätte dabei wohl kaum besser anfangen können als mit dem Besuch bei Fulham. Von der U-Bahn-Station Putney Bridge geht es durch einen kleinen Park, gleich an der Themse entlang, zum Craven Cottage. Meiner Meinung nach eines der schönsten und britischsten Stadien auf der Insel. Der Ground liegt zwischen Themse und Reihenhaussiedlung, hat zur Straße hin noch eine alte wohnhausartige Front wie damals Highbury und den charakteristischen „Cottage“, eine Art alte Scheune, in der heute ein Hospitality-Bereich untergebracht ist. Die hinterlegte Karte (um die 30 GBP) hatte ich nach zwei Minuten in der Hand und damit 1:28 Stunden schneller als in Porto.

Die alte Jagdhütte, das Cottage, das dem Stadion den Namen gibt, ist bis heute erhalten und beheimatet heute einen Hospitality-Bereich. (Foto: Sören Peters)

Die alte Jagdhütte, das Cottage, das dem Stadion den Namen gibt, ist bis heute erhalten und beheimatet heute einen Hospitality-Bereich. (Foto: Sören Peters)

Im Stadion selbst gibt es ein paar Essensstände und Bars, an denen es Carlsberg aus Plastikflaschen oder gezapftes Guinness und Bitter gibt. Der Verzehr von Alkohol ist jedoch (wie überall in England) nur hinter der Tribüne gestattet. Schön ist aber die Lage des Gastrobereichs direkt an der Themse. Gerade im Sommer lässt es sich hier bestimmt gut aushalten (sofern man es sich nicht schon vor dem Spiel mit ein paar Dosen vom off-license im Park gemütlich gemacht hat). Das Publikum ist eigentlich dem Stadtteil entsprechend: Zahlreiche Intellektuelle, bzw. gut situiert wirkende Männer um die 30, ein paar ältere Herrschaften. Dazu eine Handvoll Männer mittleren Alters, die einen daran erinnern, dass Fußball ein Spiel der einfachen Leute ist.

Blick ins Stadion, hinten rechts die alte Hütte. (Foto: Sören Peters)

Im Stadion, hinten rechts das Cottage. (Foto: Sören Peters)

Die Geschichte der Partie ist schnell erzählt. War vor dem Spiel noch ein wenig Stimmung in der Bude, übernahm Bournemouth recht schnell das Kommando und nutzte seine wenigen Chancen eiskalt aus. Fulham steht in der Liga mit dem Rücken zur Wand und entsprechend mau war dann auch die Stimmung, während die Auswärtsfans gut feierten. Beim Stand von 5:1 aber auch kein Wunder. Unglaublich, wie sehr Fulham in den vergangenen Jahren abgestürzt ist. Alte Bekannte beim FFC waren Tim Hoogland, der von Beginn an spielte, und Trainingsbuchsen-Papst Gabor Kiraly als Ersatzkeeper.

Als Folge des Spielstandes verließen die Fulham-Fans vor dem Abpfiff das Stadion. Ob es daran lag, an der guten Organisation oder daran, dass sich die Masse beim Weg zur U-Bahn sehr auseinanderzog, kann ich schwer beurteilen. Allerdings kam man ohne längere Wartezeiten in die U-Bahn-Station, so dass man auch flott wieder weg kam…

Quick Facts
Stadion: Craven Cottage, eröffnet 1896, 25.700 Sitzplätze
Hinkommen: District Line bis Putney Bridge (nein, an der Station Fulham Broadway geht’s zu Chelsea)
Ticketinfos, Bestellung und Spielplan: Offizielle Homepage des Fulham FC

Fortsetzung: Kontrastprogramm in Millwall

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

2 Kommentare - “Groundhopping in London, Teil 1: Fulham FC”

  1. Malte Sagt:

    Hey! Ein Spiel im altehrwürdigen Craven Cottage würde ich mir nur zu gerne irgendwann einmal anschauen =) Danke für deinen Artikel und beste Grüße aus meinem Urlaub im Hotel Mais

    Antwort

    • Sören Peters Sagt:

      Hi Malte! Danke für Deinen Kommentar. Hat sich gelohnt, auch wenn fußballerisch und fantechnisch die Gäste weitaus überlegen waren – einer der schönsten Grounds auf der Insel. Beste Grüße aus Köln

      Antwort

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