„Tomb-Raider-Tempel“ Ta Prohm: Im Würgegriff der Natur

1. Dezember 2014

Asien, Kambodscha

Eine Würgefeige überwuchert die Ruinen des Ta Prohm. (Foto: Sören Peters)

Eine Würgefeige überwuchert die Ruinen des Ta Prohm. (Foto: Sören Peters)

Man stelle sich folgendes Szenarium vor: New York ist menschenleer, die Straßen und Wolkenkratzer mit Moos überwachsen, zarten Blumen brechen durch den Asphalt. Die Subway: Ein Lebensraum für Tiere, die es feucht und stickig lieben. So surreal wie das für uns heutzutage klingt, muss es sich im 12. und 13. Jahrhundert für die Menschen in Angkor angehört haben. Ein „Niedergang“ der frühzeitlichen Metropole? Undenkbar!

Herumliegende Steine, verwitterte Bausubstanz: Der Ta Prohm wurde in seinem Zustand belassen. (Foto: Sören Peters)

Herumliegende Steine, verwitterte Bausubstanz – der Ta Prohm hat einen ganz eigenen Charme. (Foto: Sören Peters)

Doch genau das ist eingetreten, nachdem das Zentrum des Khmer-Reiches im 15. oder 16. Jahrhundert in die Region des heutigen Phnom Penh verlegt wurde. Während der Besuch von Angkor Thom einen Eindruck der früheren Hochkultur vermittelt, zeigt der Ta Prohm auf schaurig-schöne Weise, wie sich die Natur die Bauwerke der Zivilisation einverleibt. Überall liegen Steine herum, die Mauern zieren ein Farbenspiel aus grau, grün und braun. Die riesigen Wurzeln der Würgefeigen haben die Baustubstanz fest im Griff.

Beeindruckende Bauwurzeln inmitten der Anlage. (Foto: Sören Peters)

Beeindruckende Bauwurzeln inmitten der Anlage. (Foto: Sören Peters)

Ta Prohm ist der einzige Tempel, der bislang nicht restauriert wurde, sondern im Zustand seiner „Entdeckung“ belassen wurde (den Khmer war die Existenz die Jahrhunderte über durchaus bekannt, nur für die Europäer war Angkor eine Neu-Entdeckung). Die Anlage wurde nur soweit abgesichert, dass für Besucher keine Gefahr durch herabstürzende Steine besteht. Diese Kulisse hat auch die Macher der Lara-Croft-Filme inspiriert, so dass der Ta Prohm eher als „Tomb-Raider-Tempel“ bekannt ist als unter seinem eigentlichen Namen – mit der Folge, dass junge Russinnen in viel zu kurzen Hosen vor den Ruinen für Fotos posieren.

Keine nackten Beine, dafür aber ein paar Eindrücke aus dem Ta Prohm gibt es unten in der Fotostrecke sowie in meinem flickr-Stream. Auch wenn die bekannten Tempel wie Angkor Wat oder Angkor Thom bereits angehakt waren, erwartete uns im Anschluss noch eine kleine Überraschung…

Praktisches Auf der „kleinen Runde“ verlässt man Angkor Thom durch das Osttor. Auf Wunsch stoppen die Fahrer am Ta Keo. Kurz vor dem östlichen Baray biegt man nach rechts (Süden) ab und stoppt vor dem Westeingang des Ta Prohm, den man auf der anderen Seite wieder verlässt. Dort erwartet einen der Fahrer (in der Regel muss man das nicht extra absprechen).

Sören Peters

Nach einem kleinen Fußweg durch ein Waldstück erreicht man den Ta Prohm. (Foto: Sören Peters)

Nach einem kleinen Fußweg durch ein Waldstück erreicht man den Ta Prohm. (Foto: Sören Peters)

12. 640 Mönche sollen während der Hochzeit Angkors im 12. und 13. Jahrhundert hier gelebt haben. (Foto: Sören Peters)

12. 640 Mönche sollen während der Hochzeit Angkors im 12. und 13. Jahrhundert hier gelebt haben. (Foto: Sören Peters)

Das Zusammenspiel aus halb zerfallener Architektur und der Rückeroberung der Natur macht den Tempelkomplex zum Anziehungspunkt. (Foto: Sören Peters)

Das Zusammenspiel aus halb zerfallener Architektur und der Rückeroberung der Natur macht den Tempelkomplex zum Anziehungspunkt. (Foto: Sören Peters)

Eine Würgefeige überzieht ein Nebengebäude des ehemaligen Klosters. (Foto: Sören Peters)

Eine Würgefeige überzieht ein Nebengebäude des ehemaligen Klosters. (Foto: Sören Peters)

Anders als die übrigend Tempel wurde der Ta Prohm nicht restauriert... (Foto: Sören Peters)

Anders als die übrigend Tempel wurde der Ta Prohm nicht restauriert… (Foto: Sören Peters)

...sondern in dem Zustand belassen, wie ihn die französischen "Entdecker" vorfanden. (Foto: Sören Peters)

…sondern in dem Zustand belassen, wie ihn die französischen „Entdecker“ vorfanden. (Foto: Sören Peters)

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

One Comment - “„Tomb-Raider-Tempel“ Ta Prohm: Im Würgegriff der Natur”

  1. Michael Sagt:

    Wow, das sieht echt faszinierend aus. Da will man doch gleich mehr über die Geschichte, die dahinter steckt, herausfinden.

    Antwort

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