Ist London außer Kontrolle?

28. Mai 2014

London

Neben der St- Paul's Cathedral wachsen die Wolkenkratzer in den Himmel. (Foto: Sören Peters)

Neben der St. Paul’s Cathedral wachsen die Wolkenkratzer in den Himmel. Mitte links: Der Heron Tower, derzeit höchstes Gebäude in der City. (Foto: Sören Peters)

Wenn es in London eine Konstante gibt, dann ist das der stete Wandel. Von der Hafenstadt zum Finanzzentrum, von der britischen Gleichförmigkeit zum multikulturellen Mikrokosmos, von der vernebelten Industriestadt zu…ja, zu was eigentlich?

Nicht gerade wenige Londoner fürchten, dass sich die Stadt allmählich zu einem zweiten Manhattan entwickelt. Das Preisniveau hat sie schon lange und auch von der Einwohnerzahl her wird London New York schon bald überholen. Aktuellen Berechnungen zufolge verschlingt die britische Hauptstadt jede Woche 1.000 neue Einwohner. Oder anders gerechnet: Jedes Jahr aufs Neue verleibt sich diese Beton gewordene Riesenkrake eine Kleinstadt ein. Das ist zwar nichts Neues, schon in den vergangenen Jahrhunderten wuchs London stets über sich hinaus und verschlang kleine Ortschaften, doch noch nie schritt die Entwicklung so rasend schnell voran, wie auch der Tagesspiegel feststellt.

Walkie Talkie (links) und Käsereibe (mittig) während der Bauphase im November 2012. (Foto: Sören Peters)

Walkie Talkie (links) und Käsereibe (mittig) während der Bauphase. Die Aufnahme entstand im Oktober 2012. (Foto: Sören Peters)

Baulich spiegelt sich das derzeit vor allem in der City wieder. Noch vor 30 Jahren war es verboten, höher zu bauen als die Kuppel der St. Paul’s Cathedral, heute schießen in der historischen Keimzelle der Stadt die Wolkenkratzer nacheinander aus dem Boden: allen voran der Heron Tower, gefolgt von der Käsereibe und dem Walkie Talkie. Ganz zu schweigen von The Shard am gegenüberliegenden Ufer. Die neuen Türme aus Glas und Beton stellen locker The Gherkin in den Schatten, jenes gurkenförmige Gebäude von Sir Norman Foster, das die Stadtsilhouette um die Jahrtausendwende dominierte.

Aktuell sind mehr als 230 weitere Bauvorhaben genehmigt, wie Britanniens höchstes Wohngebäude, der „Zahnstocher“. Auf der Isle of Dogs entstehen 947 neue Wohnungen, verteilt auf 73 Stockwerke. Ein weiterer Bauschwerpunkt wird sich am Südufer der Themse rund um die Blackfriars Bridge befinden – hier eine interaktive Karte.

Der Tower 42 (links) und The Gherkin (rechts) waren lange die einzigen Wolkenkratzer in der City of London, inzwischen werden sie von den noch im Bau befindlichen "Käsereibe" (Mitte hinten) und "Walkie Talkie" (Mitte vorne) in den Schatten gestellt. (Foto: Sören Peters)

Der Tower 42 (links) und The Gherkin (rechts) waren lange die einzigen Wolkenkratzer in der City of London.(Foto: Sören Peters)

Kein Wunder, dass dieser neue Bauboom – vor allem mit Geld aus Russland, aus Asien und von der Arabischen Halbinsel – die Traditionalisten und Kritiker auf den Plan ruft. „Londons Skyline ist außer Kontrolle“, sagte zuletzt der Parlamentsabgeordnete David Lammy dem Guardian. Doch selbst dieses unkontrollierte Wachstum ist in der Stadt nichts bahnbrechend Neues. Nach dem Feuer von 1666, das London komplett in Schutt und Asche legte, wurde jegliche Stadtplanung über den Haufen geworfen. Sir Christopher Wren (richtig, der St. Paul‘s gebaut hat) wollte die Stadt rational anlegen mit breiten Boulevards – wie es Haussmann später in Paris umsetzte. Doch in London war das Geld schneller als der gesunde Menschenverstand. Eine Geschichte, die sich zu wiederholen scheint. Oder?

Was meint Ihr? Verliert London durch den Bauboom sein Gesicht oder ist der Wandel unumgänglich?

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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