Langeoog: Licht und Schatten an der Nordsee

5. Mai 2014

Woanders

Hinter dem Wasserturm versinken die letzten Sonnenstrahlen im Meer. (Foto: Sören Peters)

Hinter dem Wasserturm versinkt die Sonne im Meer. (Foto: Sören Peters)

Grundsätzlich neige ich dazu, Orte zu romantisieren. Gerade dann, wenn ich positive Erlebnisse damit verbinde. Langeoog, das waren die Sommer meiner Kindheit und Jugend, eine unbeschwerte Zeit mit der Familie, für die ich sehr dankbar bin – hier Fotostrecke durchklicken.

Am langen ersten Mai-Wochenende kam ich nach eine etwas längeren Pause zurück – ich glaube, acht Jahre sind vergangen, seit ich die Insel das letzte Mal als Tagesgast verlassen habe. In der Zwischenzeit waren Straßennamen wie Schniederdamm, Vormann-Otten-Weg oder Lütje Pad in meinem Gedächtnis ergraut, hatten Platz gemacht für klangvolle Namen wie Sheikh-Zayed-Road, Passeig de Gràcia oder Thanon Rambuttri. Klar, dass man die Insel inzwischen mit anderen Augen sieht.

Instagram-Bild: Bank an der Hafenmole von Langeoog. (Foto: instagram.com/fluchtplan)

Bank an der Hafenmole. (Foto: instagram.com/fluchtplan)

Das Gute vorweg: Ich habe meine Jugendliebe auf Anhieb wiedererkannt. Den Wasserturm, die roten Backsteinhäuser, die weite Landschaft, den Geruch nach Salz und Hagebutten, das raue Klima. Auch nach langer Abstinenz liebe ich diese Insel, noch immer und für immer. Zu wertvoll sind die vielen Erinnerungen. Langeoog genießt bei mir eine Sonderstellung und das bleibt auch so, versprochen!

Pülleken Jever statt Prickelbrause: Langeoog, bleib so, wie Du bist! (Foto: instagram.com/fluchtplan)

Pülleken Jever statt Prickelbrause: Langeoog, bleib so, wie Du bist! (Foto: instagram.com/fluchtplan)

Der Wandel, mal ganz wertfrei: Identifikationsobjekte wie die nicht länger benötigte Seenotrettungsstation sind verschwunden, auch die Inselbäckerei, die Fischkantje oder die frisia-Backshops gibt es nicht mehr. Das lange Zeit trostlose Seglerheim am Hafen hat sich zu einer der Top-Adressen der Gastro-Szene gemausert. Zudem gibt es nun das erste Art-Design-Hotel auf der Insel, auch an der Barkhausenstraße gibt es neue Lädchen. Man merkt, dass eine neue Generation das Ruder übernommen hat.

Lecker Krabbenbrötchen. Immerhin bekommt man für die 5,90 Euro ordentlich Fleisch ins Brot. (Foto: instagram.com/fluchtplan)

Lecker Krabbenbrötchen. Immerhin bekommt man hier für 5,90 Euro ordentlich Meeresgetier ins Brot. (Foto: instagram.com/fluchtplan)

Die Schattenseite: Dass die Insel mit der Zeit geht, ist unumgänglich und auch gut so. Was mich jedoch gestört hat, ist das doch sehr hohe Preisniveau. Logisch, alle Waren müssen vom Festland auf die Insel gebracht werden und den Gastronomen bleibt nur die Zeit zwischen Ostern und den Herbstferien, um ihren Jahresumsatz zu generieren, doch wenn man zu viert essen geht, sind inklusive der Getränke mal schnell knapp 100 Euro weg. Familien mit Kindern sind gut beraten, wenn sie in der Ferienwohnung selbst kochen. Auffällig auch die hohe Dichte an „Latte-Macchiato-Muttis“, die sich mit Mitte 40 noch so kleiden wie Teenie-Mädels und ihre Männer, die Camp-David-Jeans und SuperDry-Sweater zu ihrem Dresscode erklärt haben.

Bis bald, ganz sicher! (Foto: instagram.com/fluchtplan)

Bis bald, ganz sicher! (Foto: instagram.com/fluchtplan)

Liebes Langeoog, es ist schön, dass Du Dich weiterentwickelst, aber bitte, bitte, bitte: Werde kein zweites Sylt. Auch wenn ich für das gleiche Geld ein langes Wochenende auf Malle verbringen kann, möchte ich immer wieder zurückkehren. Bleib‘ die Insel für’s Leben, meine Insel für’s Leben. Bis bald!

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

One Comment - “Langeoog: Licht und Schatten an der Nordsee”

  1. Felix Sagt:

    Tja, ich vermute mal das Langeoog kein zweites Sylt wird aber mit der zeit wird es sich sicherlich in etwas ähnliches verwandeln, leider! Früher haben wir Immer 1 Woche dort verbracht doch schon seit zwei Jahren haben wir es mittlerweile „sein-lassen“ leider, ich habe die frische Meeres Luft geliebt, nun sind iwr immer öfters in den Bergen. Zum Glück ist es hier noch ruhig und nicht so Menschen überlaufen zu mindestens wenn man von den Pisten absieht.

    schöne Grüße aus dem sonnigen Südtirol,
    Felix

    Antwort

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