Riechen, hören, schmecken: Blind auf der Khao San Road

5. April 2014

Asien, Thailand

Verkaufsstände und Reklametafeln an der Khao San Road in Bangkok. (Foto: Sören Peters)

Verkaufsstände und Reklametafeln an der Khao San Road in Bangkok. Aber was, wenn man das alles gar nicht sieht? (Foto: Sören Peters)

Bunte Leuchtreklame, Verkaufsstände, Streetfood – die Khao San Road in Bangkok überflutet das menschliche Auge mit allen möglichen Reizen. Aber was, wenn das wichtigste Sinnesorgan nicht mehr funktioniert? Ich habe den Selbstversuch gemacht und mich „blind“ von einem Kumpel über die Backpackermeile führen lassen. Die Schlafbrille dazu gibt es an einem der typischen Straßenstände, alternativ dürften zwei Eimer Thai-Whiskey den selben Effekt erzielen.

Wir starten an der Chakrabongse Road, der Seite, die dem Chao Phraya River zugewandt ist. Die Angebote der Tuk-Tuk-Fahrer schlagen wir aus und ich ziehe die Schlafbrille auf. Bereits nach einigen Augenblicken nehme ich den permanenten Klangteppich noch stärker wahr. Hinter mir die Straße, um mich herum eine Mischung aus dröhnenden Beats und Stimmengewirr – eine Mischung aus Thai und Englisch. Nach ein paar Metern gelingt es mir, einzelne Musikstile zu identifizieren. Von der rechten Seite dröhnt Techno-Musik herüber. „Der CD-Stand, an dem wir gestern gestanden haben?“ – „Jep.“

Straßenschild. (Foto: Sören Peters)

Straßenschild. (Foto: Sören Peters)

Ich halte mich am linken Arm meines Kumpels fest und wir gehen weiter. Es riecht nach gegrilltem Essen. Neben uns werden ein paar Jungs angesprochen, ob sie sich nicht einen Anzug schneidern lassen wollen. Eine Antwort höre ich nicht – vermutlich gehen sie wie 99 Prozent aller Khao-San-Besucher regungslos weiter oder lächeln zumindest. Wir werden diesmal in Ruhe gelassen. Musik – mal lauter mal leiser – ist der ständige Begleiter. Hier Kesha, dort „Walking On Sunshine“. An einer Stelle stehen wir im Kreuzfeuer aus Hip-Hop, Techno und irgendwas Undefinierbarem.

Auf dem weiteren Weg – vom Gefühl her sind wir seit zehn Minuten unterwegs – laufe ich noch zwei Leuten in die Hacken. Was bleiben die auch mitten im Weg stehen?!? Ansonsten bin ich überrascht, dass ich noch nicht frontal in jemanden reingerasselt bin.

Charlie's Massage. (Foto: Sören Peters)

Charlie’s Massage. (Foto: Sören Peters)

Inzwischen haben wir die Massage-Angebote erreicht – ich tippe, dass wir auf der Höhe von „Charlie’s“ sind. Wenig später werden wir gefragt, ob wir Bock auf eine Ping-Pong-Show hätten. Oder waren andere Jungs gemeint? Keine Ahnung. Ist mir gerade aber auch egal, solange ich nicht gleich einen Tischtennisball ins Gesicht geschossen bekomme.

„Links ist ein 7eleven. Warte mal hier“, sagt mein Kumpel und setzt mich auf eine Treppenstufe vor dem Supermarkt. Für mich die Bestätigung, dass wir den größten Teil bereits geschafft haben. Zu meiner rechten klimpert es. Danach müffelt es ein bisschen. Ich tippe, dass ein Restaurant hier Küchenabfälle deponiert hat. Ein Typ fragt mich in akzentfreiem Englisch, warum ich mit einer Schlafbrille vorm 7eleven sitze. Meine Erklärung leuchtet ihm ein, aber ich habe das Gefühl, dass er mir gerade einen Vogel zeigt. Oder den Finger, um zu testen, ob ich auch wirklich nichts sehe.

In dem Moment kommt auch mein Kumpel zurück. Knack. Zisch. „Teste mal. Singha oder Chang?“ „Tiger!“ Von einem früheren Besuch weiß ich, dass es in dem Supermarkt die silber-blauen Dosen gibt und kenne seinen Geschmack. „Erwischt.“

Essensstände säumen den Weg. (Foto: Sören Peters)

Essensstände säumen den Weg. (Foto: Sören Peters)

Das Bier in der linken Hand, seinen Arm in meiner rechten, bewältigen wir die letzten Meter. Es riecht noch einmal nach gegrilltem Essen. Und nach Döner Kebap! Bei der nächsten Horde Tuk-Tuk-Fahrer ist der Weg geschafft und ich setze die Schlafbrille ab.

Fazit Ohne die vielen visuellen Reize ist ein Bummel über die Khao San Road wirklich ein anderes Erlebnis. Interessant ist aber auch, was man nicht wahrnimmt. Richtung Tanao Road beispielsweise gibt es eine McDonad’s-Filiale. Andernorts ist der Geruch weit und breit zu riechen, hier nicht. Auch die Verkaufsstände mit den immer gleichen Shirts und Handyhüllen, die Postkarten und den restlichen Nippes habe ich nicht wahrgenommen.

Den Abend ließen wir übrigens mit einer Fußmassage bei Charlie und ein paar Bierchen in einer lauten Bar ausklingen. Die Khao San Road kann man fühlen, schmecken und hören. Vor allem aber muss man sie einmal gesehen haben.

Sören Peters

Harte Cocktails, laute Musik: Abends lassen Reisende aus der ganzen Welt die Puppen tanzen, dazu gibt es Thai-Whiskey (mit Wasser und Zitrone) aus kleinen Eimerchen. (Foto: Sören Peters)

Harte Cocktails, laute Musik: Abends lassen Reisende aus der ganzen Welt die Puppen tanzen, dazu gibt es Thai-Whiskey (mit Wasser und Zitrone) aus kleinen Eimerchen. (Foto: Sören Peters)

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

One Comment - “Riechen, hören, schmecken: Blind auf der Khao San Road”

  1. steffischrade Sagt:

    Sehr interessanter Bericht! Da bekommt man richtig Lust auf Asien. Ich, meinerseits, war noch nicht dort, aber es zieht mich von Tag zu Tag mehr dorthin.

    Antwort

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