Schutz und Verhalten in Krisenregionen

4. März 2014

Woanders

Symbolfoto: EU-Trainingsmission für Somalia. (Foto: Bundeswehr/Wilke via flickr.com)

Symbolfoto: Schöne Landschaft, aber brandgefährlich – EU-Trainingsmission für Somalia (EUTM SOM). (Foto: Bundeswehr/Wilke via flickr.com)

Der Zugriff erfolgte, als niemand damit rechnete. Draußen waren zwei Detonationen und ein paar Schüsse zu hören, danach standen die vermummten Angreifer auch schon vor uns. „Heads down! Close your eyes!“ Den auf gebrochenem Englisch formulierten Forderungen verliehen sie mit der vorgehaltenen Kalaschnikow Nachdruck. Waren es fünf? Oder zehn? Keine Ahnung. Denn unmittelbar danach hatte ich auch schon eine blickdichte Brille vor den Augen und stand mit gespreizten Armen und Beinen an einer Mauer…

Das oben beschriebene Szenarium ist Teil einer fingierten Entführung. Erlebt habe ich das am vergangenen Donnerstag beim Lehrgang „Schutz und Verhalten in Krisenregionen für Journalisten“ am Vereinte-Nationen-Ausbildungszentrum in Hammelburg. Während in Köln also die Korken knallten, saß ich mit 15 anderen Redakteuren, Cuttern und Fotografen gefesselt auf dem Boden eines provisorisch aufgebauten Zeltes. Nach einem Tag auf dem Übungsplatz und einer Nacht im Schlafsack mehr als übermüdet, die Sicht genommen, durchgefroren.

„Stressimpfung“ nannte der Hörsaalleiter die Situation. Auch wenn die gestellte Geiselnahme nur vier Stunden dauerte, wurde uns ein realistisches Bild vermittelt und der Puls ordentlich in die Höhe getrieben. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit höher, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, dennoch kann es nicht schaden, auf den worst case vorbereitet zu sein. Der Rat unseres Ausbilders: „Haltet Euch immer vor Augen: Ihr seid wertvoll. Und Ihr lebt. Also kann der Tag gar nicht mal sooo schlecht sein.“

Anti-Personen-Minen. Der Vergleich zeigt: Im Gelände sind die Dinger kaum zu sehen. (Foto: Sören Peters)

Anti-Personen-Minen. Der Vergleich zeigt: Im Gelände sind die Dinger kaum zu sehen. (Foto: Sören Peters)

Weitere Lehrgangsinhalte waren die Wirkung von Waffen und Minen sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Gefahren. Lessons learned: Routine, Neugier und Scham können tödlich sein. Konkret soll das heißen, in unsicheren Regionen immer einen anderen Weg zur Arbeit zu wählen, nicht alles anzufassen und beim Pinkeln in freier Wildbahn nicht unbedingt ins Gebüsch zu rennen, schließlich weiß man nie, was da so alles herumliegt.  Und wenn es knallt: Runter! Und danach so schnell wie möglich weg. Zu groß ist die Gefahr eines „Second Device“. Allzu paranoid sollte man aber auch nicht durch die Gegend laufen.

Schuss aus der Panzerfaust. (Foto: Sören Peters)

Schuss aus der Panzerfaust. (Foto: Sören Peters)

Auch wenn mir einige Themen noch aus dem Grundwehrdienst bekannt waren, war es durchaus hilfreich, diese Inhalte noch einmal aufzufrischen. Ferner hat mich der Lehrgang noch einmal bestärkt, mich von Krisenregionen – sofern beruflich nicht notwendig – eher fernzuhalten (als Redakteur mit dem Schwerpunkt Sicherheitspolitik kann es jedoch vorkommen, die Bundeswehr in ein Einsatzgebiet zu begleiten).

Udo Weisner vom Jo Igele Reiseblog hatte kürzlich in einem Sammelposting die Frage nach Reisen in Krisengebiete gestellt. Meine Antwort dazu könnt Ihr hier nachlesen.

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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