Aufstand der Anständigen in Bangkok

18. Dezember 2013

Asien, Thailand

Gut organisierter Protest. Die Demonstranten wurden mit Wasser, Essen und Sitzunterlagen versorgt. (Foto: Sören Peters)

Gut organisierter Protest. Die Demonstranten wurden mit Wasser, Essen und Sitzunterlagen versorgt. (Foto: Sören Peters)

Kurz vor unserem Thailand-Trip hätte man meinen können, in Bangkok wäre eine Vorstufe zum Bürgerkrieg ausgebrochen. Klar, Demonstranten hatten verschiedene Ministerien besetzt und waren zum Teil mit der Polizei aneinandergeraten. Der Durchschnittsbesucher bekam davon herzlich wenig mit. Das Bild, das die deutschen Medien vermittelten, zeigte zwar Krawall und Remmidemmi. Die große Masse jedoch demonstrierte friedlich gegen Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra, bzw. gegen ihren Bruder Thaksin, der aus dem Exil die Fäden zieht.

Demonstranten haben sich am Demokratiedenkmal in Bangkok versammelt. Auf Großbild-Leinwänden verfolgen sie Nachrichten und Ansprachen von Oppositionsführer Suthep Thaungsuban. (Foto: Sören Peters)

Demonstranten haben sich am Demokratiedenkmal in Bangkok versammelt. Auf Großbild-Leinwänden verfolgen sie Ansprachen von Oppositionsführer Suthep Thaungsuban. (Foto: Sören Peters)

Auch wenn das Auswärtige Amt gemahnt hatte, Menschenansammlungen zu meiden, war auf dem Weg zur Khao San Road das Demokratiedenkmal unumgänglich. Was wir erlebten, war allerdings kein Aufstand, sondern Anstand. Und eine einmalige Organisation: Tausende Menschen harrten auf der Straße aus. Freiwillige Helfer verteilten Sitzunterlagen, Essen und Wasser. Auf großen Leinwänden lief die aktuelle Ansprache von Oppositionsführer Suthep Thaungsuban, unterbrochen von Beifall, Fahnenschwenken und schrillem Geheul von Trillerpfeifen. Immer wieder sahen wir Demonstranten mit schwarzen Shirts und Nationalfahnen, die eifrig Selfies von sich knipsten, als wollten sie ihren Facebook-Freunden zeigen: „Seht her, wir sind dabei.“ Der Protest als Massenevent mit Volksfest-Charakter. Dennoch war überall zu spüren, dass etwas in der Luft liegt, als würde der Geist eines gewaltigen Umschwungs durch die Straßen wehen. Soweit mein persönlicher Eindruck.

Versorgung für die Oppositionellen. (Foto: Sören Peters)

Wasser für die Oppositionellen. (Foto: Sören Peters)

Die hier geschilderten Szene ereigneten sich kurz nach unserer Ankunft am 1. Dezember. Als wir am 13. Dezember zurückkehrten, harrten die Demonstranten immer noch aus. Allerdings wirkte die Polizei recht nervös und bei einer groß angelegten Kontrolle im Khao-San-Viertel wurden wir sogar gefilzt. „Reine Vorsichtsmaßnahme, wegen des Mobs“, erklärte uns der Beamte. Eine reelle Chance, den Shinawatra-Clan von der Macht zu vertreiben, haben die Oppositionellen im Februar, wenn das Volk eine neue Regierung wählt.

Sören Peters

Ein Demonstrant schwenkt am Demokratiedenkmal die Nationalflagge Thailands. Im Hintergrund ein Bildnis von König Bhumibol. (Foto: Sören Peters)

Ein Demonstrant schwenkt am Demokratiedenkmal die Nationalflagge Thailands. Im Hintergrund ein Bildnis von König Bhumibol. (Foto: Sören Peters)

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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