Cronut-Hype – seit 1837

17. Oktober 2013

Portugal

Warteschlange vor der Casa Pastéis de Belém. (Foto: Sören Peters)

Warteschlange vor der Casa Pastéis de Belém. (Foto: Sören Peters)

Morgens, halb zehn in Lissabon: Während Deutschland in die Schoko-Waffel beißt, spielen sich an der Rua Belém Szenen ab, die an den Verkaufsstart des neuen iPhone erinnern: Bis auf die Straße stehen die Kunden Schlange. Allerdings ein bisschen disziplinierter als vorm Apple-Store. Die Leute warten auch nicht auf das neue Technikspielzeug, sondern auf die süßeste Sünde Portugals nach Rita Pereira: die Pastéis de Belém – kleine Blätterteig-Törtchen, gefüllt mit einer Creme aus Eigelb, Zucker und Sahne.

Das Rezept geht zurück auf die Mönche des Hieronymos-Klosters (Mosteiro dos Jerónimos), gleich nebenan. Als eine Folge der Liberalen Revolution von 1820, die Portugal die erste demokratische Verfassung bescherte, wurden 14 Jahre später alle Klöster geschlossen. Kleriker und Arbeiter verloren ihre Posten. Aus der Not heraus wurde die Idee geboren, die hauseigenen Sahnetörtchen zum Verkauf anzubieten. Als Rettungsanker diente die benachbarte Zuckerrohr-Raffinerie, zu der ein angegliederter Krämerladen gehörte. Seit 1837 bringt die Casa Pastéis de Belém den portugiesischen Ur-Großvater des New Yorker „Cronut“ unter’s Volk.

Verkaufstheke der Casa Pastéis de Belém. (Foto: Sören Peters)

Verkaufstheke der Casa Pastéis de Belém. (Foto: Sören Peters)

Belém (dt.: Bethlehem) war zu dieser Zeit noch nicht mit Lissabon verwachsen, doch der Torre de Belém an der Tejo-Mündung zog zahlreiche Besucher an, die mit dem Dampfschiff über den Fluss schipperten. Diese ersten Besucher waren es dann auch, die der Casa Pastéis de Belém den bis heute ungebrochen guten Ruf bescherten. Die Originalrezeptur aus dem frühen 19. Jahrhundert ist seit je her unverändert – und streng geheim, sie wird von Konditor zu Konditor weitergeben.

Wer sein Törtchen nicht "auf die Hand" nimmt, kann es sich in dem verwinkelten Café gemütlich machen. (Foto: Sören Peters)

Wer sein Törtchen nicht „auf die Hand“ nimmt, kann es sich in dem verwinkelten Café gemütlich machen. (Foto: Sören Peters)

Wer sich nicht in die Warteschlange vor dem Laden einreihen möchte, kann sich auch im verwinkelten Innenraum an einen Tisch setzen. Die Kalorien wird man schnell wieder los, etwa bei einem Spaziergang durch Belém.

Sören Peters

In Belém gibt es weitaus mehr als die Pastéis. Die angefutterten Kalorien wird man bei einem kleinen Spaziergang gut wieder los. Gleich nebenan befindet sich das Mosteiro dos Jerónimos, das zum Weltkulturerbe des Unesco zählt. (Foto: Sören Peters)

In Belém gibt es weitaus mehr als die Pastéis. Die angefutterten Kalorien wird man bei einem kleinen Spaziergang gut wieder los. Gleich nebenan befindet sich das Mosteiro dos Jerónimos, das zum Weltkulturerbe des Unesco zählt. (Foto: Sören Peters)

Auf der anderen Seite, ebenfalls an der Rua Belém, liegt der Amtssitz des portugiesischen Präsidenten. (Foto: Sören Peters)

Auf der anderen Seite, ebenfalls an der Rua Belém, liegt der Amtssitz des portugiesischen Präsidenten. (Foto: Sören Peters)

Seit je her zieht der Torre de Belém Besucher an. Wie das Kloster gehört er seit 1983 zum Unesco-Weltkulturerbe. (Foto: Sören Peters)

Seit je her zieht der Torre de Belém Besucher an. Wie das Kloster gehört er seit 1983 zum Unesco-Weltkulturerbe. (Foto: Sören Peters)

Von dort aus kann man prima am Fluss entlang spazieren bis zum Entdeckerdenkmal. Im Hintergrund: DIe Brücke des 25. April und Cristo Rei. (Foto: Sören Peters)

Von dort aus kann man prima am Fluss entlang spazieren bis zum Entdeckerdenkmal. Im Hintergrund: Die Brücke des 25. April und Cristo Rei. (Foto: Sören Peters)

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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