Am Ende der Welt gibt’s Bratwurst

25. September 2013

Portugal

Das Cabo de São Vicente, südwestlichster Punkt des europäischen Festlands. (Foto: Sören Peters)

Das Cabo de São Vicente, südwestlichster Punkt des europäischen Festlands. Ein Leuchtturm weist den Schiffen den Weg. (Foto: Sören Peters)

Für die Römer war es ein magischer Ort, an dem die Sonne im Meer versinkt. Doch mit der Romantik ist es lange vorbei. Das Cabo de São Vicente ist heute eine Mischung aus Parkplatz, Fressmeile und Trödelmarkt.

Jeden Tag kommen massenweise Besucher zum südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes, darunter bemerkenswert viele Deutsche. Vor allem in der Hauptsaison reicht die Schlange der geparkten Mietwagen rund hundert Meter die Zufahrtstraße hinunter. Am Kap angekommen, wird man empfangen vom Geruch nach Bratwurst. Ein deutsches Paar hat hier „Die letzte Bratwurst vor Amerika“ etabliert. 3,50 Euro kostet die durchaus leckere Thüringer im Brötchen, dazu gibt es ein Zertifikat, diesen heiligen Ort besucht zu haben.

Die letzte Bratwurst vor Amerika kommt aus Thüringen, schmeckt überraschend gut und kostet 3,50 Euro. (Foto: Sören Peters)

Die letzte Bratwurst vor Amerika kommt aus Thüringen, schmeckt überraschend gut und kostet 3,50 Euro. (Foto: Sören Peters)

Moment mal, heilig? Jep, das Cabo de São Vicente ist, bzw. war, wirklich ein heiliger Ort. Im Jahr 304 soll hier ein Boot angeschwemmt worden sein, darin der Leichnam des Märtyrers Vinzenz von Saragossa. Er gilt bis als Schutzpatron der Seefahrer. Immerhin: Auch ohne Bratwurst war das Kap für viele das letzte Stückchen Land vor einer langen, ungewissen Reise.

Viel los am Kap. (Foto: Sören Peters)

Viel los am Kap. (Foto: Sören Peters)

Einen Bezug zu einem der Ziele, dem gerade entdeckten Amerika, stellen die übrigen angebotenen Waren dar. Außer der Bratwurst gibt es südamerikanische Churros und wer friert, kann sich mit einem Poncho eindecken. Sehenswerter als diese kleine Fress- und Trödelmeile ist jedoch der Leuchtturm auf der Landspitze. Das Gelände ist frei zugänglich und regt trotz der zahlreichen Besucher die Fantasie an. Und die Sehnsucht nach fernen Ländern. Schwer vorstellbar, dass zwischen diesem Punkt und dem amerikanischen Kontinent nichts weiter ist außer ein paar Schiffen und jeder Menge Wasser. Wie haben sich wohl die frühen Seefahrer gefühlt, als sie aufbrachen ins Neuland? Was für Vorstellungen hatten sie von Amerika, Afrika und Indien? Gab es damals auch schon Stereotype?

Das letzte Stückchen Europa. Danach kommt nur noch Wasser und irgendwann Amerika. (Foto: Sören Peters)

Das letzte Stückchen Europa. Danach kommt nur noch Wasser – und irgendwann Amerika. (Foto: Sören Peters)

Das Fotoshooting eines Pärchens reißt mich aus den Gedanken. Die beiden sind wirklich in Flip-Flops die Klippen ein Stück hinuntergeklettert, um Fotos von sich zu schießen. Wir können das nicht mit anschauen und machen uns auf den Rückweg zum Auto. Über Sagres geht es in rund 45 Minuten zurück nach Lagos. Unterwegs gibt es nicht nur viele Töpfereien, sondern auch die (überraschend günstige) letzte Tankstelle vor Amerika – vom Cabo de São Vicente aus kommend direkt am Ortseingang nach Sagres.

Zufahrt zum Cabo de São Vicente. (Foto: Sören Peters)

Zufahrt zum Cabo de São Vicente. (Foto: Sören Peters)

Auch wenn durch den Trubel in der Hauptsaison viel Stimmung flöten geht, hat sich der Besuch gelohnt. Nicht zuletzt aufgrund der leckeren Bratwurst, des schönen Ausblicks und der Träumereien.

Sören Peters

Leuchtturm am Cabo de São Vicente. (Foto: Sören Peters)

Leuchtturm am Cabo de São Vicente. (Foto: Sören Peters)

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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