Stierkampf ohne Blut: Garraiada in Videmonte

10. September 2013

Portugal

Mit einem beherzten Sprung über die Absperrung rettet sich dieser Hobby-Toureiro vor dem heranbrausenden Stier. (Foto: spe)

Mit einem beherzten Sprung über die Absperrung rettet sich dieser Hobby-Toureiro vor dem heranbrausenden Stier. (Foto: Sören Peters)

Dass der Stierkampf zur kulturellen Identität auf der iberischen Halbinsel gehört, lässt sich wohl kaum abstreiten. Auch, wenn die Öffentlichkeit zunehmend kritischer mit dem Thema umgeht, sind solche Spektakel noch immer ein Zuschauermagnet. Ein Besuch bei der „Garraiada“ des Kulturvereins in Videmonte.

Die erste Erkenntnis: Der portugiesische Stierkampf unterscheidet sich fundamental von dem in Spanien oder Lateinamerika. Zwar gibt es auch in Portugal „Corridas de touros“, bei denen der Stier die Auseinandersetzung nicht überlebt, doch weiter verbreitet ist die „Garraiada“, bei der das Tier unversehrt bleibt. Solche Kämpfe, die den Namen „Kampf“ eigentlich zu Unrecht tragen, sind in vielen Fällen Teil von Dorf- oder Heiligenfesten. Als Arena dient ein abgezäuntes Areal von 25 bis 30 Metern Durchmesser. Darin befindet sich der (junge) Stier, dessen Hörner meist sogar abgepolstert sind.

Provozieren, reizen, laufen: Bei der Garraiada wird der Stier körperlich nicht verletzt. Bei den Zuschauern in der provisorischen Arena kommt das gut an. (Foto: spe)

Provozieren, reizen, laufen: Bei der Garraiada wird der Stier körperlich nicht verletzt. Bei den Zuschauern in der provisorischen Arena kommt das gut an. (Foto: Sören Peters)

Jeder kann mitmachen Wer sich traut, kann über die Absperrung steigen, den Stier mit Rufen und Klatschen auf sich aufmerksam machen und muss dann zusehen, dass er Land gewinnt. In Sicherheit bringen sich die Amateur-Toureiros, indem sie auf die Absperrungszäune klettern oder auf einen Anhänger, der in der Mitte der provisorischen Arena abgestellt ist.

Am Ende wird das Tier von mehreren Männern mit bloßen Händen gefangen und zurück in seine Transportbox gebracht. Das Überraschende in Videmonte war, dass nicht nur junge Männer in die provisorische Arena stiegen, sondern auch die „Routiniers“ sich noch einmal vor der Dorfgemeinschaft beweisen wollten.

Mit vereinten Kräften und bloßen Händen fangen die Männer den Stier und bringen ihn zurück in seine Transportbox. (Foto: spe)

Mit vereinten Kräften und bloßen Händen fangen die Männer den Stier und bringen ihn zurück in seine Transportbox. (Foto: Sören Peters)

Jetzt kann man über solche Veranstaltungen denken, was man mag, doch Veranstaltungen wie diese zeigen noch einmal deutlich, dass Stiere zum iberischen Kulturgut dazugehören. Positiv werte ich auch, dass das Tier körperlich nicht gequält und auch nicht versehrt wird – ganz im Gegensatz zu einem jungen Mann, der im vergangenen Jahr auf die Hörner genommen wurde und der Spruch „sich den Arsch aufreißen“ eine neue Bedeutung bekam.

Sören Peters

Old School? Portugiesische "Cowbows" als Zuschauer bei der Garraiada. (Foto: Sören Peters)

Old School? Portugiesische „Cowbows“ als Zuschauer. (Foto: Sören Peters)

Advertisements
, , , , , , , , , , , , ,

Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

Zeige alle Beiträge von Sören Peters

PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: