Was wir von London lernen können

2. August 2013

London, Woanders

Ruhe und Gelassenheit ist gefragt im öffentlichen Nahverkehr. Das gelingt nicht immer. (Foto: Matthias Rhomberg via flickr.com)

Ruhe und Gelassenheit ist gefragt im öffentlichen Nahverkehr. Das gelingt nicht immer. (Foto: Matthias Rhomberg via flickr.com)

Ganz ehrlich, ich bewundere die Londoner für ihre Eigenschaft, die Tücken des Alltags mit einer unfassbaren Gleichmut hinzunehmen. Ständig wird irgendeine Straße aufgerissen, weil die neuen Wasserrohre plötzlich porös sind. Ständig sorgt irgendein kleiner Fehler im komplexen U-Bahn-System für eine Kettenreaktion und den Zusammenbruch ganzer Linien. Ständig steht man im Stau, ob nun mit dem Auto oder mit dem Bus. In London nehme ich das mit einem Schulterzucken hin. Sich aufzuregen, würde ohnehin nichts bringen. Der in London lebende Journalist Gerhard Elfers beschreibt das vorzüglich in seinem Buch „111 Gründe, London zu lieben„.

Diese stoische Ruhe habe ich mir in London zwar auch angeeignet, allerdings scheint dieser Gemütszustand beim Überqueren des Kanals ins Wasser zu fallen. Der Weg in die Redaktion heute Morgen verlangte Körper und Geist einiges ab.

Eine kleine Chronologie:

5:38 Der RE5 von Köln Süd nach Bonn-Bad Godesberg fährt pünktlich ab
5:39 „Aufgrund eines Personenschadens endet der Zug heute in Brühl“ (Danke für die frühe Info)
5:45 Fußmarsch quer durch die Brühler Altstadt zur Straßenbahn
5:56 Nach einem Usain-Bolt-artigen Sprint erreiche ich gerade noch die Linie 18 und blockiere die Tür, damit die anderen Pendler auch noch mitkommen
5:57 Die Fahrerin ist von meiner ritterlichen Tat nicht angetan. „Liebe Reisende, wenn Sie morgens eine Minute eher aufstehen, brauchen Sie sich nicht so abhetzen.“
5:58 Ich überlege, wie oft mir heute schon der Satz „Du olle Funz, fick Dich doch einfach“ auf der Zunge lag.
5:59 Der Entschluss, mich nicht aufzuregen, tut mir gut. Ich lese ein Buch.
6:20 Die Bahn rattert gemächlich durch die Bonner Vororte. Das erste Deo hat versagt, falls denn wirklich eines benutzt wurde.
6:30 Ankunft Bonn Hbf. Ich gehe zum Gleis und stelle fest, dass die Züge wieder fahren. Der nach Bad Godesberg sogar schon vor drei Minuten.
6:31 Ich beschließe noch einmal, mich nicht aufzuregen.
6:32 In zwei Minuten fährt ne U-Bahn nach Bad Godesberg. Jetzt aber flott…und da wundert sich noch einer über Doping im Freizeitsport-Bereich.
6:34 Ich kriege die U-Bahn noch, verzichte aber auf die Bolt-Geste (erinnert mich doch zu sehr an Al Bundy…)
6:57 Ankunft „Godesberg Stadthalle“. Die Rolltreppe streikt.
7:01 Endlich im Büro. „Mensch, Herr Peters, Sie sehen aber geschafft aus…“
7:02 „Du olle Funz…“

Thank God It’s FRIDAY!

Sören Peters

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Über Sören Peters

Jahrgang 1984. Ruhrgebietler, Köln-Immi. Hauptberuflich Redakteur, nebenbei Reiseleiter in London. Verliebt in Thailand und Südostasien. Verheiratet mit einer Portugiesin. Stolzer Papa. Gerne unterwegs, gerne zuhause.

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PAUSE!

Liebe Leser, liev Fründe, seit einigen Wochen hat sich ja hier nichts mehr getan auf der Seite. Mit guten Gründen. Wir sind aus der Stadt in unser Eigenheim gezogen. Statt Artikel zu schreiben stand erstmal das Verlegen von Laminat und das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln im Vordergrund. Und es gibt auch weiterhin viel zu tun in meinem neuen Lebensabschnitt. Nicht nur privat, sondern auch beruflich bin ich stärker eingebunden als noch vor ein paar Monaten. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Blog erst einmal auf Eis zu legen und mich nur noch um flickr und Instagram zu kümmern. Ich verzichte bewusst auf die Formulierung, dass ich "schweren Herzens" in die Blogpause wechsel, da ich nichts, was ich zugunsten meiner Familie entscheide, schweren, sondern leichten Herzens tue. Und wo eine Pausetaste ist, gibt's bestimmt auch irgendwo einen Resetknopf. Bleibt mir gewogen.

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